Alternativen zur Wehrpflicht und konventionellen Aufrüstung
- Christoph Fromm

- 13. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Ob es klug war, wie Frau Miosga Herrn Chrupalla in ihrer letzten Sendung anging, darüber ist bereits viel geschrieben worden, das will ich mir ersparen.
Ihre Behauptung, es sei grundgesetzwidrig, Wehrpflichtige in die Ukraine zu schicken, muss allerdings genauer betrachtet werden. Das mag stimmen, solange es „nur“ um eine Absicherung der Kontaktlinie nach einem Waffenstillstand geht. Russland hat allerdings mehrmals sehr deutlich gesagt, dass es eine solche Absicherung, sei es durch britische, französische oder deutsche Soldaten, rigoros ablehnt, und es steht zu befürchten, dass eine solche Mission einen direkten Krieg mit Russland auslösen könnte. Frau Miosga hat in der Sendung auch behauptet, Merz schließe eine Beteiligung deutscher Soldaten an einer solchen Mission aus. Merz hat hingegen vor laufenden Kameras gesagt: „Ich will gar nichts ausschließen“. Solche Fauxpas sollten einer Vertreterin des ÖRR, gerade in der Auseinandersetzung mit der AFD, nicht passieren.
Im Kriegsfall, davon kann man sicher ausgehen, werden irgendwelche Einschränkungen, wonach Wehrpflichtige „nur“ in der Logistik hinter der Front eingesetzt werden, nicht lange gelten, völlig gleichgültig, was im Grundgesetz steht. Im Kriegsfall wird ganz schnell jede Hemmschwelle fallen und jeder, der laufen kann, an die Front geschickt werden. Und ein halbes Jahr Ausbildung wird in einem modernen Drohnen- und Abnützungskrieg die Überlebenschancen nur minimal erhöhen.
Deswegen gilt es einen Krieg unter allen Umständen zu vermeiden. Das geht nur mit intelligenter Diplomatie, und so sagen viele Experten, mit wirksamer Abschreckung.
Aber wie könnte die aussehen? Zum einen natürlich atomar, und es ist mir völlig unverständlich, warum ausgerechnet Bellizisten wie Strack-Zimmermann oder Nico Lange sich dagegen so sehr sträuben, es sei denn, ich würde vermuten, dass die Waffenfirmen, denen sie nahestehen, an einer atomaren Aufrüstung nichts verdienen würden. Atomarer Schutzschild und Abschreckung wird in den skandinavischen Ländern jedenfalls sehr viel sachlicher als Möglichkeit diskutiert als bei uns. Es ist der teure und konfrontative Weg, und natürlich müsste Europa sich dann ausnahmsweise mal einig sein.
Ein anderer Weg, über den viel zu wenig nachgedacht wird, ist Guerillakrieg. Natürlich nimmt man dann zunächst die Besetzung des eigenen Landes in Kauf. Aber wie viele Opfer hätte man sich im Ukrainekrieg mit einer solchen Taktik ersparen können? Mittlerweile sind dort laut amerikanischen Thinktanks 140 000 Ukrainer_innen gefallen, Zelenskys Zahl von 55 000 ist mit Sicherheit weit von der Realität entfernt. Ein weiterer Vorteil eines Guerillakrieges wäre: Ein Land, das vom Gegner besetzt wurde, kann nicht mehr im großen Stil bombardiert werden, weder atomar noch konventionell. Natürlich würde auch ein solcher Krieg mit äußerster Brutalität geführt werden, dafür gibt es genügend Beispiele. Aber unterm Strich würde er weitaus weniger Opfer fordern. Dafür wäre allerdings die Ausarbeitung völlig neuer Taktiken nötig und eine radikale Neuausrichtung der Bundeswehr. Wenn man sich ansieht, wie lange es dauert, alleine 1800 Soldaten in Litauen zu stationieren, muss man sehr skeptisch sein, ob im Generalstab der Bundeswehr überhaupt Köpfe sind, die in der Lage sind, unkonventionell zu denken.
Bevor man die Idee als Utopie abtut, sollte man bedenken, dass zum Beispiel die Finnen im Winterkrieg von 1939/40 gegen die hoch überlegenen Russen sehr erfolgreich waren. Und fest steht auch, dass die Ukraine nach ihren Anfangserfolgen den großen Fehler begangen hat, sich von den Russen in einen Stellungs- und Abnützungskrieg verwickeln zu lassen.
Auch in einem Guerillakrieg wären in erster Linie Profis gefordert, aber man könnte dort viel sinnvoller Zivilisten mit einbinden. Dafür sind alle Widerstandsbewegungen im Zweiten Weltkrieg gute Beispiele. Sie stehen natürlich auch dafür, mit welch unglaublicher Brutalität die deutschen Besatzer gegen Widerstandskämpfer vorgegangen sind. Krieg ist immer bestialisch, daran führt kein Weg vorbei. Aber eine Guerillataktik böte wenigstens die Gewissheit, dass die Armee wirklich nur auf Verteidigung ausgerichtet ist.




Kommentare