Frauen und Männer – die Gräben werden tiefer
- Christoph Fromm

- 27. März
- 2 Min. Lesezeit

Der Fall Fernandez zeigt einmal mehr, was ein Mann einer Frau antun kann und die Wut darüber ist verständlich. Ob sie aber dazu führen sollte, dass die Klarnamenpflicht im Internet eingeführt wird, muss diskutiert werden. Prinzipiell bin ich ein Freund von Klarnamen: Wer eine Meinung vertritt, sollte auch zu ihr stehen. Wenn das aber dazu führt, dass er unter fadenscheinigen Gründen entlassen wird oder beim Examen durchfällt, so ist das zumindest zu bedenken. Generell wäre es aber gut, wenn wir wieder zu der nötigen Zivilcourage beim öffentlichen Diskurs zurückkehren und lieber über Gesetze nachdenken, die diejenigen, die sachliche Kritik äußern, vor beruflichen Nachteilen schützt. Das würde sicher dazu führen, dass Hass und Hetze nicht mehr so unqualifiziert in den öffentlichen Raum gestellt werden wie jetzt.
Was mich an der aktuellen Diskussion schockiert ist allerdings der Hass, der doch von einer erheblichen Anzahl von Frauen Männern pauschal entgegengebracht wird. Sicherlich ist die Influencerin Leonie Plaar ein besonders extremes Beispiel: Wer sich zu der Forderung versteigt, Männer an den großen Zehen auf Markplätzen aufzuhängen und zu kastrieren, verweigert sich jeder sachlichen Diskussion. Und wenn Frau Neubauer auf einer Demo ins Publikum schreit, „die Männer“ könnten froh sein, dass „keine Vergeltung geübt“ werde, dann muss man sich schon fragen, woher kommt dieser pauschale, abgrundtiefe Hass?
Und warum explodiert er durch den Fall einer „virtuellen Vergewaltigung“, während die tatsächlichen Vergewaltigungen, die leider tagtäglich in diesem Land stattfinden, sehr viel weniger Aufmerksamkeit bekommen? Es ist richtig, zwischen Männern und Frauen liegt sehr viel im Argen. Und das, nachdem man jahrzehntelang über Gleichberechtigung, Feminismus, Frauenquoten etc. diskutiert hat und ja zweifellos auch Fortschritte erzielt wurden.
Im Augenblick hat man allerdings das Gefühl, viele Frauen wollen mit Männern nichts mehr zu tun haben und umgekehrt. Es findet zunehmend eine Geschlechtertrennung statt, auch im sexuellen Bereich. Man muss sich fragen, basierte die heterosexuelle Beziehung hauptsächlich auf sozialen Notwendigkeiten und der Fortpflanzung?
Beide Voraussetzungen fallen für viele Frauen heutzutage weg. Sie können ihr Geld selbst verdienen und eine Samenbank genügt, um Kinder zu bekommen. Und möglicherweise kann man männliche Spermien in naher Zukunft künstlich erzeugen. Wozu dann überhaupt noch Männer? Vielleicht beruht die Aggressivität vieler Männer auf der Angst, im Grunde überflüssig zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden? Und vielleicht ist die Aggressivität vieler Frauen ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit, in die Geschlechtsautonomie?
Ich glaube, der Aufbau einer Front Frauen gegen Männer ist genau so schädlich wie der Aufbau jeder anderen Front oder Abgrenzung innerhalb der Gesellschaft. Wichtig wäre die Erkenntnis, die es übrigens in der östlichen Philosophie seit über tausend Jahren gibt, dass in jedem Menschen weibliche und männliche Persönlichkeitsanteile stecken, die man natürlich unterschiedlich definieren kann. Das heißt, Frauen werden nie männliche Persönlichkeitsanteile ausschließen können und umgekehrt. Und weiterführend bedeutet das, dass man Menschen alleine auf Grund ihrer individuellen Persönlichkeit beurteilen sollte, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder sozialer Stellung. Statt Geschlechterkrieg ist, wie übrigens in der Politik, eine neue, intelligentere Diplomatie zwischen Männern und Frauen gefragt, mit Respekt und auf Augenhöhe. Ansonsten berauben wir uns des wunderbaren Spiels der Annäherung zwischen Männern und Frauen. Und das wäre doch sehr schade.




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