Warum ich Verlegerin geworden bin

Tina Lizius spricht über ihre Entscheidung, als Autorin auch Verlegerin zu werden, und über die Zukunft des Primero Verlags.

Erzähl doch was über deine Arbeit als Verlegerin? Wie kam es dazu, dass du den Primero Verlag gegründet hast?

Alles hat damit begonnen, dass ich nach meiner Tanzkarriere eine neue künstlerische Plattform gesucht habe. Meine Mutter fand eine Anzeige: "Fernstudium - Große Schule des Schreibens – Axel Anderson Akademie“. Es folgte dort ein vierjähriges Studium und nach meinem Abschluss stellte sich die Frage - Wie geht es jetzt weiter? Mein erstes Manuskript für ein Jugendbuch. "Chris - Mein kleiner großer Prinz" war fertig. Christoph Fromm, ein Drehbuchautor, den ich während meines Studiums kennen lernte, schrieb wenig später ebenfalls seinen ersten Roman, "Die Macht des Geldes". Zu den beiden Manuskripten gesellte sich noch das Kinderbuch "Die Abenteuer des Gottfried Primero" und ein Kurzgeschichtenband, sodass die Idee geboren wurde, anstatt auf Antwort, oder die Möglichkeit auf eine Verlegung der Manuskripte zu warten, einen eigenen Verlag zu gründen. Das war die Geburtsstunde des Primero Verlags im Jahr 2006.

Was für Hindernisse gibt es? Und warum hast du den Verlag gegründet?

Der Vorteil ist, dass ich als Verlegerin selbst entscheiden kann, was und wie ich mein Buch verlege, und niemand mir reinredet. Künstlerische Freiheit war mir immer wichtig. Das macht Spaß, ist aber auch immer wieder eine Herausforderung. Denn von der Herstellung bis zum Vertrieb kann viel schief gehen. Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen ist eine kostspielige Angelegenheit und wer auf den großen Gewinn hofft, hofft hier manchmal vergeblich. Die Margen in der Literatur sind schmal. Von daher sind Bücher auch immer eine ideelle Angelegenheit, die sich nur dann lohnt, wenn man wirklich mit ganzem Herzen dabei ist.

Wie unterscheidet sich ein Autorenverlag von größeren Verlagen?

Ein großer Vorteil, einen kleinen überschaubaren Verlag zu haben, ist die Tatsache, dass ich sehr flexibel auf den Markt und seine Veränderungen reagieren kann. Unser organisatorischer Aufwand ist klein und daher können Ideen, Innovationen und Informationen sehr schnell von A nach B weitergeleitet werden und müssen nicht durch verschiedene Abteilungen oder Gremien. Das war immer unser Vorteil und das kommt uns jetzt bei der Schnell- und Kurzlebigkeit der digitalen Daten zugute. Wir können auf jede Veränderung des Marktes sofort reagieren.  

Was ist dein Rat für junge Autoren?

Ich denke heutzutage ist es nicht mehr wichtig, einen Verlag für seine Bücher zu finden. Jeder kann heute Autor sein, wenn er will. Im Zeitalter des Internets und des E-books kann heute jeder junge Schriftsteller seine Bücher selbst vermarkten. Der kostspielige Druck und die Gefahr, Verluste zu schreiben, weil die Auflage nicht verkauft wird, fällt weg. Zwischenhändler, wie in der herkömmlichen Buchvermarktung, gibt es auch keine mehr, und die sozialen Netzwerke können unterstützend zum Erfolg beitragen. Es hat sich viel verändert. Daher würde ich jedem Autor raten, seine Bücher selbst zu vermarkten. 

Was macht der Primero Verlag anders als andere Verlage?

Unser Ziel ist es, ganz nah am Verbraucher zu sein. Mit unseren sozialen Projekten wie  „Autorenprojekt Filmakademie“, der „Initiative Leseinsel“, oder „SprachBewegung e.V.“ Durch Lesungen an Bildungseinrichtungen oder Seminare zum Kreativen Schreiben mit Schülern und Filmstudenten versuchen wir in unseren Projekten auch die nächste Generation für die Literatur zu begeistern, nicht nur als Leserschaft, sondern auch als Autoren. Jede Altersgruppe hat spezifische Themen, die gehört werden wollen. Nach dem Motto: Schreib deine Geschichte.

Welche Veränderungen hat das Internet mit sich gebracht?

Mit dem Internet, dem E-book, Apps, hat ein neues Zeitalter begonnen, was den Verlagen, aber auch den Autoren, ein Stück mehr Freiheit und Selbstbestimmung gebracht hat. Durch die globale Vernetzung, die sozialen Netzwerke, Blogs, Foren oder andere Portale können sich weltweit mehr Menschen zusammenschließen, als es jemals möglich war. Eine unglaubliche Chance, die es so noch nie gab, aber auch eine unglaubliche Herausforderung, sich nicht im World Wide Web zu verlieren. Das Internet ist wie eine öffentliche Autobahn mit immer mehr Spuren, die mit Höchstgeschwindigkeit befahren wird, ohne Verkehrsregeln. Daher sollte man gut Autofahren können, um nicht ständig mit einer Panne am Straßenrand zu stehen. Wer aber das Internet gut nutzt und seine Kräfte darin bündelt hat wirklich gute Chancen, sich einen neuen Buchmarkt  zu erobern.

Darüber hinaus sind die digitalen Möglichkeiten vielfältig. Es ist überhaupt kein Problem mehr, am Computer, im Homeoffice, als Selfpublisher, über Werbemedien, den Buchauftritt selbst zu entwickeln, und zu gestalten. Eine Spielwiese der Superlative für den, der es kann, aber mit Risiken und Nebenwirkungen. Auch der englische Buchmarkt ist heute leichter zu erreichen. Musste man früher mühsam einen ausländischen Verlag finden, der das Buch übersetzt und im eigenen Land vermarktet, kann jeder Verlag heute seine Werke selbst übersetzen und sowohl in den sozialen Netzwerken, als auch als E-book in englischsprachigen Portalen publizieren.

Auch der Kinderbuchmarkt wird sich verändern. Die Literatur von Morgen wird eine ganz andere sein. Die Zukunft wird zeigen, wie es mit den digitalen Medien weitergehen wird und was sich letzten Endes durchsetzen kann. Es ist und bleibt spannend.  

Wie siehst du die Zukunft in deinem Verlag?  

Ich denke, dass wir unseren Fokus immer weiter auf die digitalen Medien lenken werden, ohne den herkömmlichen Buchmarkt zu verlieren. Wir werden entscheiden müssen, welches Buch wir als E-book herausbringen, und welches wir zusätzlich drucken lassen. 

Aber letzten Endes glaube ich, dass das E-book die Zukunft sein wird und das Taschenbuch ablöst. Dass Bücher seltener gedruckt, und das Prädikat wertvoll erhalten werden. In diesem Sinne stelle ich mir gezielt ein Buch ins Regal, weil es eine persönliche Wertigkeit für mich hat, was mit Sicherheit auch mit dem demografischem Wandel zusammenhängen wird. Wohnraum ist teuer und gerade in der Stadt müssen alle mehr zusammenrücken. Da stehen wir heute erst am Anfang. 

Ich stehe diesen Veränderungen positiv gegenüber. Das E-book bietet auch eine ganz andere Chance, denn wir haben auch eine Verantwortung der nächsten Generation gegenüber. Seit Jahren beschäftige ich mich künstlerisch mit den Wasserressourcen und dabei spielen Bäume, als Wasserspeicher und Regenmacher eine übergeordnete Rolle. Jeder Baum ist wertvoll, daher sollten Bücher auch nicht mehr als Massenware produziert werden, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit als etwas Besonderes gelten. Es ist nicht so, dass ich am gedruckten Buch nicht auch hänge, aber ich denke, wir müssen alle umdenken und das E-book ist eine Chance dazu.    

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