Queer for Palestine

Es ist absolut legitim, wenn sich Queere, Homosexuelle, Feminist*innen über das Elend empören, das der Staat Israel, speziell die israelische Armee, den Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland zufügt. Man muss sich aber gleichzeitig mit derselben Entschlossenheit von dem barbarischen Anschlag distanzieren, den die Hamas am 7. Oktober 23 gegen unschuldige Zivilisten aus Israel und Europa durchgeführt hat.
Wer das als eine Art Notwehrreaktion verharmlost, macht sich zum Propagandainstrument einer fanatischen Terrororganisation, die eindeutig das Ziel verfolgt, nicht nur den Staat Israel auszulöschen, sondern die Juden insgesamt. Es ist nachvollziehbar, dass sich Menschen, die lange unterdrückt wurden, mit anderen Unterdrückten solidarisieren wollen, aber man sollte sich schon im Klaren darüber sein, welche Ziele der andere Unterdrückte verfolgt. Mitglieder der Hamas haben wie alle anderen Islamisten keinerlei Verständnis für die oben genannten Gruppierungen. Sie würden sie in ihren Staatsgebilden verfolgen, ins Gefängnis stecken, wahrscheinlich sogar töten.
Wie kann es also sein, dass sich europäische Homosexuelle oder Feminist*innen, deren wichtigste Ziele Toleranz und gleichberechtigtes Leben sind, mit islamistischen Hardcore Terroristen verbrüdern und auf Demonstrationen „from the river to the sea“ skandieren?
Die Verbindung der Linksextremen und der palästinensischen Befreiungsorganisationen sind alt – bereits in den 70ern trainierte die RAF im Wüstensand mit Palästinensern. Die überlieferten Anekdoten sind grotesk: Baader trat in Disput mit dem Palästinenserkommandeur, weil sich seine „Votzen“, wie er seine Terroristinnen liebevoll nannte, oben ohne auf den Baracken sonnten. Das war zu viel für die prüden Wüstenkämpfer. Die Anekdote ist deshalb bemerkenswert, weil auch heute wieder Leute gemeinsame Sache machen, die von ihren Ansichten her grundverschieden sind.
Warum ist das so? Zum einen scheint der unbewältigte und verdrängte Schuldkomplex auf Grund des jüdischen Holocausts eine Rolle zu spielen. Man scheint sich geradezu danach zu sehnen, dass die Nachfahren der damaligen Opfer nun auch Täter sind (was stimmt), und das Beste ist natürlich, ihnen gleich einen Genozid zu unterstellen (was nicht stimmt). Zum anderen scheint es einen psychologischen Wirkmechanismus zu geben, den man als Variante des Stockholm Syndroms bezeichnen könnte. Einige Leute dieser Randgruppen unterwerfen sich geradezu lustvoll fanatischen, autoritären Islamisten, man kann das nur masochistisch nennen. Es ist eine Zerfallserscheinung dieser Gesellschaft.
Geschickt genutzt wurden solche Strömungen von der Linkspartei in Berlin. Man hat den Islamisten suggeriert, sie seien in der Partei willkommen und damit die Wahlen gewonnen. Jetzt wird man die Geister, die man rief, so leicht nicht mehr los. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Frau Dröge von den Grünen hat ja bereits kundgetan, dass sie mit RotRotGrün sowohl in Berlin als auch auf Bundesebene kein Problem habe. Dass für die Grünen Antisemitismus plötzlich kein Hinderungsgrund für eine Koalition mehr ist, wundert einen nicht. Jahrzehntelang war man als Friedenspartei auf Stimmenfang, um bei Ausbruch des Ukrainekriegs über Nacht zur größten Befürworterin des bewaffneten Konflikts umzuschwenken. Plötzlich war Krieg das beste Mittel, um für Frieden zu sein. So ein 180 Grad Schwenk geht mit Antisemitismus auch. Die Juden werden schon noch begreifen, dass es das Beste für sie ist, in Berlin die Straßen für Islamisten freizumachen.
Dabei könnten Randgruppen wie Schwule oder Queere durchaus Sinnvolles leisten, wenn sie sich gemeinsam mit liberalen Palästinensern, die es natürlich auch gibt, für Gleichberechtigung, Toleranz und ein friedliches Miteinander mit Juden einsetzen würden. Dazu gibt es Lippenbekenntnisse, aber zu sehen ist davon bisher leider sehr wenig.





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