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Am deutschen Wesen...

Wir wissen alles besser...

Wir verfügen über eine ganz tolle, superbegabte Fußballmannschaft – aber wir scheiden zweimal in der Vorrunde aus. Für Fußballfans ärgerlich, aber vergleichsweise harmlos, wäre es nicht ein Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Situation.


Wir wissen alles besser: Wie man ein Industrieland für die Zukunft umbaut, wie man einen modernen Sozialstaat organisiert, wie man den Klimawandel stoppt, wie man die Welt in eine friedliche und ökologisch mustergültige Zukunft führt und wie man korrekt gendert.

Das sind unsere, mit Verlaub, infantilen Träume - die Realität sieht völlig anders aus: Wir fahren unser Land mit einer überhasteten, wenig durchdachten Energiewende und einer selbstmörderischen Sanktionspolitik mit Vollgas gegen die Wand. Wir machen ständig den zweiten, dritten Schritt vor dem ersten und haben es mittlerweile geschafft, dass dreißig Prozent der Wirtschaftsunternehmen nächstes Jahr überlegen, ins Ausland zu gehen oder aufzugeben. Wir verbohren uns in ideologische Streitereien, anstatt ganz pragmatische Lösungen zu suchen.


Die überwältigende Mehrheit in diesem Land ist für eine möglichst rasche Umstellung auf erneuerbare Energien. Aber dafür brauchen wir eine Speichertechnologie, die erst noch entwickelt werden muss und wir brauchen Brückenenergien, die uns so lange zuverlässig versorgen müssen, bis die erneuerbaren bereit stehen. Warum ist das so schwer zu begreifen?

Und es genügt auch nicht allein, neue Energien wie grünen Wasserstoff zu erzeugen, er muss auch so günstig sein, dass unsere Industrie noch konkurrenzfähig produzieren kann. Auch das sollte eine Selbstverständlichkeit sein.


Die alleinige Fokussierung auf Elektroautos ist, auch im Angesicht der dramatisch gestiegenen Strompreise, absurd. Die CO2 Bilanz moderner Dieselfahrzeuge ist teilweise besser, vor allem wenn man den CO2 Verbrauch bei der Erzeugung berücksichtigt. China kauft gerade unsere moderne Dieseltechnologie und Produktion auf – warum? Weil sie sich davon in Zukunft ein Milliardengeschäft versprechen. Und vielleicht wird ja in den nächsten Jahren ein dieselähnlicher Kraftstoff entwickelt, der CO2 neutral ist. Aber anstatt technologieoffen zu bleiben, verbohren wir uns in der Ideologie: ausschließlich Elektrofahrzeuge!

Bei der Atomkraft dasselbe. Wir lassen die Möglichkeit, dass es in Zukunft Kernkraftwerke geben könnte, die auf Kernfusion setzen und sehr viel weniger radioaktiven Abfall produzieren, überhaupt nicht zu. China wird uns auch auf diesem Gebiet überrunden. Deutsche Ingenieure, die an so etwas arbeiten, sind mittlerweile nach Kanada ausgewandert.


Aber nicht genug damit, dass wir unser eigenes Land vor die allergrößten Probleme stellen, wir teilen auch anderen Ländern liebend gerne mit, was sie unserer Meinung nach alles falsch machen. Natürlich ist es richtig, dass wir unsere Werte selbstbewusst vertreten, es muss uns allerdings auch klar sein, dass wir mit moralinsauren Sonntagsreden und pompösen Gesten rein gar nichts ändern. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann mit geschickter Diplomatie, die immer auch etwas mit geschicktem Handel zu tun hat, mit der Unterstützung von entsprechenden Gruppen im jeweiligen Land, sodass die Bevölkerung dort vielleicht irgendwann die Dinge von Innen heraus verändert, so wie es jetzt hoffentlich im Iran geschieht.

Regierungen an den Pranger zu stellen und sich moralisch über sie zu erheben, verhärtet nur die Fronten, es ist schlicht und einfach unklug.


Mich erinnert das Verhalten mancher deutscher Politiker*innen im Augenblick fatal an Kaiser Wilhelm II, der mit seiner törichten Prahlerei „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ so ziemlich alle anderen Länder gegen sich aufgebracht hat und anschließend in einen Ersten Weltkrieg geschlittert ist, an dessen Ende Versailles und anschließend das Dritte Reich stand.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber die aktuellen Parallelen zur unheilvollen Vergangenheit sind unübersehbar. Wir sollten endlich wieder bescheidener, sachlicher, unideologischer werden. Und wir sollten nicht durch moralisches Wortgetöse, sondern durch Leistung auffallen. Dann würde nicht nur auf dem Fußballplatz Vieles sehr schnell viel besser!

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