Rechtsradikale Netzwerke - alles nur Spinnerei ?

Aktualisiert: März 4

6.4. 2006. Ein Internetcafé in Kassel. Als der Betreiber Hailf Yozgat vom NSU erschossen wurde, war der Verfassungsschutzmann Andreas Temme nicht weit. Angeblich zufällig chattete er in dem Café mit Frauen, während die eigene schwanger zuhause saß. Als er niemanden am Tresen antraf, verabschiedete er sich mit 50 Cent. Die Leiche von Yozgat hinter dem Tresen will er nicht gesehen haben. Schüsse?

Nichts gehört, nichts gesehen, immer streng nach Vorschrift gehandelt. Irgendwie kommt einem das traurig bekannt vor.

Noch viel trauriger ist, dass der Zeuge Temme damit beim NSU Gerichtsverfahren durchkommt. Für wie dumm müssen die Verantwortlichen die deutsche Bevölkerung eigentlich mittlerweile halten? Aber nein, es gibt keinen Aufschrei, das Verfahren wird nicht wieder neu aufgerollt, die bekannten Fakten geben leider nicht mehr her.

Ich bin kein Journalist, ich bin Drehbuchautor und Schriftsteller, deswegen sei hier erlaubt, etwas zu spekulieren. Leider ist man da ganz schnell wieder bei „Thüringen“, genauer beim Verfassungsschutz Thüringen. Nach allem, was man darüber weiß, wie es dort Ende der Neunziger/Anfang der Nullerjahre zuging, wäre unter Umständen Platz für einen ebenso abenteuerlichen wie zynischen Plan gewesen: Man hätte unter den hunderten gewaltbereiter junger Neonazis drei aussuchen können, die man mit einem Agent Provocateur noch etwas aufstachelte und in die Grundkenntnisse des Schießens einweihte, um sie dann als Wildcard gegen das organisierte Verbrechen einzusetzen. Den Hass auf Ausländer der jungen Terroristen hätte man so in eine für den Staat „nützliche“ Richtung lenken können. Vielleicht ist dieser Plan, so es ihn gab, wie so viele abenteuerliche Pläne von Geheimdiensten, vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Da der Anschlag auf Mitglieder des organisierten Verbrechens sich schnell als viel zu gefährlich und undurchführbar für die „Uwes“ erwies, spezialisierte sich die rechte Terrorcombo zügig auf völlig ahnungslose und harmlose Ausländer. Völlig abwegig? Viel zu kompliziert gedacht? Wollte man eine Terrorgruppe einfach möglichst viele Ausländer abknallen lassen, damit die sich bei uns nicht mehr allzu wohl fühlen? Niemand außer einigen wenigen Verantwortlichen kennt die Wahrheit.

Aber eines weiß ich gewiss: Es ist nicht die Wahrheit, dass der Verfassungsschutz 11 Jahre lang keine Ahnung von der Existenz und dem Treiben des NSU hatte, und es ist nicht die Wahrheit, dass Herr Temme am 6.4.2006 zufällig am Tatort war.

Laut unserem Innenminister haben neueste Untersuchungen ergeben, dass weder beim Verfassungsschutz noch bei der Bundeswehr oder der Polizei rechtsradikale Netzwerke existieren. Das kann, das darf man angesichts des Falls Temme nicht glauben.

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