Ukraine: Sind Waffenlieferungen sinnvoll?

Aktualisiert: 25. März


Die EU gibt der Ukraine eine Milliarde für Waffenkäufe. Auch diese Militärhilfe ist, wie alles in diesem Krieg, eine äußerst zweischneidige Sache: Wir verschärfen damit die Kämpfe und das Leiden der Zivilbevölkerung. Waffenlieferungen bedeuten mehr Krieg, mehr Elend, mehr Tote.

Aber wir haben uns für diesen Weg entschieden und müssen jetzt die Folgen aushalten. Einigen Journalist*innen scheint das wieder nicht klar zu sein. Auf der anderen Seite bedeuten Waffenlieferungen hoffentlich Freiheit, wenigstens für einen Teil der Ukraine.


Die einzige Alternative wäre Kapitulation. Doch das wäre das Ende der Ukraine als unabhängiger Staat. Dafür sind zu viele Opfer gebracht worden.

Die Ukraine muss jetzt durchhalten bis Putins Verluste auf allen Ebenen so hoch sind, dass er an den Verhandlungstisch gezwungen wird. Das kann noch lange dauern und das müssen wir ertragen, ohne uns in diesen Krieg hineinziehen zu lassen und ohne uns überhastet von russischen Rohstofflieferungen zu verabschieden. Wenn Deutschland und Europa in eine schwere Rezession stürzen, ist auch kein Geld mehr für die ukrainischen Flüchtlinge da!

Man sieht besonders drastisch am Beispiel Mariupol, wozu verstärkte Waffenlieferungen führen können. Dort wird, auf dem Rücken der Zivilbevölkerung, bis zur letzten Patrone gekämpft. Erstmalig wird jetzt in der westlichen Presse erwähnt, dass das Asowsche Regiment durchaus rechtsradikales Gesinnungsgut in seinen Reihen trägt. Diese sicherlich nicht zimperliche Truppe trifft jetzt auf eine tschetschenische Einheit, die ebenfalls für ihre Brutalität berüchtigt ist.


Wenn diese beiden Kampfgruppen entschlossen sind, bis zum letzten Mann zu kämpfen, kann man sie nicht daran hindern, aber man hätte wenigstens über das Rote Kreuz versuchen müssen, alle Zivilisten aus der Stadt herauszubringen. Man kann sich nicht länger des Gefühls erwehren, dass die Zivilisten längst von beiden Seiten als Geisel genommen und mit Hilfe der Medien instrumentalisiert werden.


Normalerweise würde man der Ukraine raten, Mariupol aufzugeben um, die Zivilisten zu schonen, aber nachdem wir in Cherson mitansehen mussten, dass Putin sogar auf gewaltfrei protestierende Zivilisten schießen lässt, ist wohl auch das kein Ausweg. Man kann nur abwarten, bis beide Seiten so abgekämpft sind, dass sie zu Verhandlungen bereit sind.

Der Inhalt dieser Verhandlungen gehört zu allerletzt in Talkshows und auch nicht in einen Blogbeitrag. Es wird aber auf eine Teilung des Landes hinauslaufen müssen.


Ich hoffe, dass mittlerweile allen restlos klar ist: Krieg ist eine furchtbare Sache.

Und wenn er einmal begonnen hat, bleibt niemand frei von Schuld, bis auf diejenigen, die er am Schlimmsten trifft: Die Alten, die Mütter und Kinder. Selbst wenn man militärisch nicht eingreift, alleine durch Waffenlieferungen und Wirtschaftssanktionen, und natürlich auch wenn man sich restlos raushalten würde, macht man sich schuldig. Es gibt in einer solchen Situation kein moralisch einwandfreies Handeln, es gibt nur ein vernünftiges Handeln, mit dessen Konsequenzen man leben muss.

28 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen