Bad Banks, die zweite ...


Es beginnt mit einem Trailer, der so verwirrend ist, dass man keinerlei Ahnung davon bekommt, was in der ersten Staffel passiert ist, wenn man sie nicht kurz zuvor gesehen hat. Na gut. Kann passieren.

Was allerdings nicht passieren sollte ist, dass es anschließend noch sehr viel verwirrender weitergeht. Dabei ist die Handlung der ersten Folge eigentlich schnell erzählt. Die Bank wurde mit Staatsknete einigermaßen aufgefangen und in Zukunft soll der Kunde mit Software anstatt mit Bankberatern übers Ohr gehauen werden. Wer aktuelle Bankberater erlebt hat, den kann das nicht sonderlich schrecken.

Dann gibt es da noch ein nachhaltiges Bio-Startup, das sich zunächst natürlich nicht von bösen Banken finanzieren lassen will. Glücklicherweise lässt es sich aber von einem noch viel böseren Privatinvestor finanzieren, der in jeder Hinsicht ein plattes Double von Harvey Weinstein darstellt. Unsere findige Bankerin, Jana Liekam, gibt sich jetzt einfach telefonisch als Anwältin aus, die angeblich eines der Missbrauchsopfer vertritt. Schnitt. Sie hat im Off Dutzende von Frauen gefunden, die sofort bereitwilligst Auskunft über ihr Intimleben erteilt haben.

Spätestens hier hätte man den Schwerpunkt der Folge setzen können und es der Hauptfigur nicht so unendlich leicht machen sollen. Auch nur eine der Frauen zum Reden zu bringen, hätte schwierig sein können, die Hauptfigur hätte Einfühlungsvermögen, Raffinesse, Intelligenz beweisen können. So bleibt alles wieder mal nur schale, langweilige Behauptung.

Und natürlich ist einer der Gründer des Bio-Startups anschließend auch noch so blöd, die skrupellose Bankerin als neue Investorin freudvoll zu begrüßen.

An sich ist es ja lobenswert, wenn endlich mal abgründige Figuren ohne den üblichen aufgesetzten Emotionsschmalz erzählt werden. Wenn man sie aber derart farblos und langweilig gestaltet wie in dieser Folge, muss man sich über den ausbleibenden Erfolg nicht wundern. Klassische Vorbilder wie Lady Macbeth, Kleopatra oder Penthesilea sind längst in allen möglichen modernen Varianten immer wieder faszinierend, schillernd, kraftvoll erzählt worden. Claire Underwood in „House of Cards“ ist nur eines von vielen Beispielen. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, wenn abgründige Figuren im deutschen Fernsehen dargestellt werden, dann nur mit angezogener Handbremse. Das aber führt unausweichlich in tödliche Langeweile, denn mit solchen Figuren kann man auch keinerlei Spannung, geschweige denn gute Szenen aufbauen, weil sich niemand für sie interessiert.

Wenn dann noch wie hier eine an sich banale Handlung derart verwirrend erzählt wird, wenn man sich fragen muss, ob die Dialoge derart nuschelnd inszeniert sind, um ihre Dürftigkeit zu verbergen, dann ist die Katastrophe perfekt. Man kommt sich am Ende vor, als hätte man ein Wollknäuel entwirrt und starrt enttäuscht auf den blassen Faden. Dafür hab ich mir jetzt Mühe gegeben? Hätte ich gleich in den Papierkorb werfen sollen. Eine zweite Folge werde ich mir unter Garantie nicht mehr ansehen. Bad Banks zum zweiten, very bad!

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