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Killing Eve


Der neue Netflix-Serienhit ist eine erfrischende Ausnahme in der aktuellen Film- und Fernsehlandschaft.


Was für ein mörderischer Spaß, was für Charaktere! Phoebe Waller-Bridge, bereits durch Fleabag sehr positiv aufgefallen, und ihre Co-Produzent*innen/Autor*innen erzählen die sehr spezielle Liebesgeschichte zwischen der oft überforderten, schussligen, manchmal auch überraschend scharfsinnigen Geheimdienstmitarbeiterin Eve (Sandra Oh) - wenn sie nicht gerade gefeuert ist - und der psychopathischen Killerin Villanelle (Jodie Comer) mit schwarzem Humor, der nicht nur bis, sondern teilweise auch über die Grenzen geht. Außerdem brilliert die Serie mit hervorragend geschriebenen, messerscharfen Dialogen.


Endlich einmal wieder Figuren, die wirklich Spaß machen und ein Humor, der sich von deutschen TV-Klamotten fundamental unterscheidet. Das ist modern, schnell, tiefgründig und bricht lustvoll Tabus. Eine James Bond Persiflage mit wirklich starken Frauenfiguren - stark deshalb, weil sie sich einen Dreck um political correctness, Kleinbürgermoral oder Klassensprecherinnen-Feminismus scheren.


Diese Frauenfiguren schrecken vor nichts zurück, haben Sex mit beiden Geschlechtern, morden, foltern - und gerade deswegen entstehen kontrapunktisch wieder Momente von großer Zartheit.


Diese Figuren sind so selbstverständlich emanzipiert, dass sie sich auch frauenverachtende Sentenzen leisten können. Wie zum Beispiel Villanelle zu einer russischen Bekannten, die eine Amateurtanzgruppe gegründet hat, die sich „open areas“ nennt: „Ah, ihr nennt euch so, damit die Kerle wissen, dass sie ihren Schwanz in alle eure Körperöffnungen stecken dürfen.“


Sprüche dieser Art gibt es pro Folge mindestens drei. Und dann gibt es noch die hervorragend geschriebene und gespielte Geheimdienstchefin Carolyn (Fiona Shaw), die sich auf der Beerdigung ihres Sohnes – dessen Tod sie mitverschuldet hat – über seinen schlechten Musikgeschmack beschwert: „Können wir nicht bei guter Musik trauern?“


Das Alles ist Lichtjahre vom ideologisch verkrampften, oberlehrerhaften und, mit Verlaub, dilettantischen deutschen Fernsehprogramm entfernt.


Man kann nur hoffen, dass junge deutsche Talente, die es fraglos gibt, endlich ihren Weg in solche Produktionen finden. Denn sie in die ZDF-Mediathek zu packen und in der Süddeutschen zu loben reicht nicht.

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