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Die Bildungsmisere – welche Auswege gibt es?


Ich habe jetzt zwei Jahre lang eine kreative Schreibwerkstatt an einer Grundschule in einer schwäbischen Kleinstadt betreut. Wenn ich die Diskussionen in Talkshows über Bildung verfolge, macht mich das, ebenso wie viele andere, die vor Ort täglich mit den Problemen konfrontiert sind, sehr wütend.

 

Natürlich ist bessere Bildung auch eine Frage von mehr Geld, mehr Fachkräften, aber da wäre sofort die Frage anzuschließen, wieso wir über die letzten Jahre 100 Milliarden Euro in die Ukraine gepumpt haben und immer weiter an der militärischen Eskalationsschraube drehen, anstatt endlich ernsthaft nach diplomatischen Lösungen zu suchen, um diesen Krieg, der ruinös ist für unsere Gesellschaft, möglichst schnell zu beenden.

 

Aber mit mehr Geld und mehr Fachkräften alleine ist es nicht getan. Die Probleme liegen tiefer. Lesen und vor allem Rechtschreibung werden schlicht falsch unterrichtet. Es kann nicht sein, dass viele Schüler*innen in der vierten Grundschulklasse in jedem Satz drei bis fünf Rechtschreibfehler machen. Da würde ich doch empfehlen, die ganzen Lehrmethoden der letzten Jahre gründlichst zu hinterfragen und zur alten Buchstabiermethode zurückzukehren. Texte müssten so häufig abgeschrieben und diktiert werden, bis sie fehlerfrei geschrieben werden können. Das führt zum nächsten Problem. Sehr viele Schüler*innen leiden an einer extremen Konzentrationsschwäche. Handyverbot, zumindest in der Grundschule, ist sicherlich vernünftig, aber auch der Fernseh/Computer/Spielekonsum müsste drastisch eingeschränkt werden. Stattdessen sind Eltern dringend gefordert, ihren Kindern regelmäßig vorzulesen und sie zum Selberlesen zu ermuntern. Zusätzlich müsste man über Meditationskurse an Schulen nachdenken. Die könnten durchaus mit Sportarten wie zum Beispiel Tai-Chi oder Taekwondo verbunden werden. Die Aufmerksamkeitspanne von Schüler*innen ist im Augenblick viel zu gering. Es ist „normal“, dass Wörter, die seit Monaten im Unterricht gelesen und geschrieben werden, immer noch nicht beherrscht werden.

 

Wer behauptet, Rechtschreibung sei in Zukunft unwichtig, da das sowieso alles die KI mache, sorgt dafür, dass unsere Kinder immer weiter verblöden und im internationalen Vergleich, sowohl von skandinavischen als auch asiatischen Kindern hoffnungslos abgehängt werden. Für ein Land, dessen hauptsächlicher Rohstoff aus „Bildung“ besteht, tödlich.

 

Die Migration ist nur dann ein Problem, wenn Kinder bei Schulbeginn kein Deutsch können. Das muss in Vorschulkursen zwingend unterrichtet werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder mit Migrationshintergrund oft besser in Rechtschreibung und Grammatik waren als Deutsche, ganz einfach, weil im Elternhaus auf Bildung offensichtlich sehr viel mehr Wert gelegt wurde.

 

Was gar nicht geht und dringend abgestellt werden sollte ist, dass deutschsprechende mit nichtdeutschsprechenden Kindern in einer Klasse gemischt werden. Ebenso halten Kinder, die verhaltensauffällig sind, zum Beispiel an ADHS oder Legasthenie leiden, den Unterricht wahnsinnig auf und sind den restlichen Kindern nicht zuzumuten. Für solche Kinder muss es Extraklassen geben und dafür muss Geld da sein.

 

Generell muss auf Disziplin, auch beim Lernen, wieder viel mehr Wert gelegt werden. Meine Erfahrung ist, dass Strenge und Strafe nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Es muss einem gelingen, die Kinder zu motivieren, sodass sie Lernen als Herausforderung begreifen, die Spaß machen kann. Das stellt hohe Anforderungen an das pädagogische Geschick von Lehrkräften, das im Studium offensichtlich nur sehr mangelhaft vermittelt wird. Stattdessen leidet der Unterrichtsbetrieb an überbordender Bürokratie und zahllosen sinnlosen Vorschriften und Vorgaben. Auch hier hat sich eine Kaste von Besserwisser*innen etabliert, die vor allem Vorschreiben und verbieten wollen und völlig an den Bedürfnissen und dem Freiheitsgefühl der Kinder vorbeigehen. Anarchistische Gedanken der Kinder werden sofort moralisierend bewertet und aussortiert – verheerend für die Kreativität. Disziplin und Freiheit müssen sich nicht ausschließen, Disziplin ist eine notwendige Voraussetzung für freiheitliches, kreatives Gestalten.

 

Es ist, wie in vielen anderen Bereichen in Deutschland, bereits fünf nach zwölf. Aber wir können die Uhr noch zurückdrehen. Es muss allerdings sofort passieren.

 

 
 
 

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