Höcke
- Christoph Fromm

- 22. Mai
- 2 Min. Lesezeit

5,3 Millionen Menschen haben das Interview mit Björn Höcke mittlerweile gesehen. Ich auch.
Natürlich gehört es zur Demokratie und Meinungsfreiheit, dass auch jemand wie Höcke zu Wort kommt. Dass der Interviewpartner Ben es tatsächlich schafft, in dem stundenlangen Gespräch, teilweise eher ein Monolog, keine einzige kritische Frage zu stellen, ist allerdings nicht nur bedauerlich, sondern auch gefährlich. Aber auch das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Wer wie Frau Esken die wirtschaftlichen Partner von Ben dazu auffordert, Ben auf eine „schwarze Liste“ zu setzen, zeigt, dass er von Meinungsfreiheit nicht viel versteht.
Höcke darf alles sagen und Ben kann so unkritisch interviewen, wie er möchte. Die rechtsstaatlichen Grenzen sind dort erreicht wo zum Beispiel ein Satz fällt wie: „Alles für meine Heimat, alles für Sachsen-Anhalt, alles für Deutschland.“
Höcke jongliert hier perfide mit dem SA-Slogan „alles für Deutschland“, und als ehemaliger Geschichtslehrer weiß er natürlich genau, was er tut. Es ist eine seiner Taktiken, Sätze zu sagen, die er hinterher immer wieder ins Gegenteil verdrehen kann, zum Beispiel, das Holocaust-Denkmal, als „Mahnmal der Schande“ zu bezeichnen. Selbstverständlich wurde das von seinen Anhängern so interpretiert, dass er es schändlich findet, dass dieses Mahnmal mitten in Berlin aufgebaut wurde – er wollte es dann allerdings so verstanden wissen, dass er meinte, das Mahnmal stehe für den schlimmsten Schandfleck in der deutschen Geschichte – aber so hat er es eben nicht gesagt.
Diese Taktik funktioniert immer wieder. Höcke äußert Sätze wie „nie wieder Faschismus, nie wieder Diktatur“. Er präsentiert sich, im Gegensatz zu den „Systemparteien“ als der wahre aufrechte Demokrat, er steht angeblich „zu dem, was im Grundgesetz auch steht“.
Das konterkariert er mit Sätzen wie: „Wahrscheinlich ist der Täter psychisch krank und leidet an einer unter Einwanderern weit verbreiteten Volkskrankheit, welche die Betroffenen „Allahu Akbar“ schreien lässt und deren Wahrnehmung so verzerrt, dass sie in den „ungläubigen“ Gastgebern lebensunwertes Leben sehen.“
Im Interview mit Ben betont er, der biedere Familienvater und ehemalige Vertrauenslehrer, er sei „kein Rassist“, dieses Zitat widerspricht dem eindeutig. Und es ist kein Zufall, dass der Nazi-Begriff „lebensunwertes Leben“ hier den Moslems untergeschoben wird.
Geschichte wiederholt sich nicht, einige Muster aber leider schon. Als Hitler 1928 darauf hingewiesen wurde, dass seine Partei bei den Reichstagswahlen nur 2,8 Prozent bekommen habe, erwiderte er, das sei nicht entscheidend. Entscheidend sei, im deutschen Volk ein Klima des Nationalsozialismus zu schaffen. Höcke ist nicht Hitler, ihm fehlt glücklicherweise das Charisma und die religiöse Dimension, mit der Hitler, der „deutsche Messias“, das deutsche Volk in fanatische Begeisterungsstürme versetzt hat, aber auch Höcke und seine Komplizen versuchen, in Deutschland ein völkisches Klima zu schaffen, indem sie die Sprache der Nationalsozialisten immer wieder perfide einsetzen.
Leider scheint das immer besser zu funktionieren, und dafür ist natürlich die Inkompetenz unserer Regierung hauptverantwortlich. Und natürlich gibt es, heute wie damals internationale Investoren, die mit der Krise Europas und der hysterischen Kriegsangst und Aufrüstung immense Profite machen. Ohne den Börsenkrach 1929 wäre Hitler niemals an die Macht gekommen.
Wen diese Zusammenhänge interessieren, der kann sie gerne in meinem neuen Roman „Hitler – Prophet der Finsternis“ nachlesen.




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