Iran – hinter den Kulissen
- Christoph Fromm

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Wir werden im Augenblick zubombardiert mit Meldungen, die die chaotische Politik von Trump hinsichtlich des Iran beklagen. Zumeist sind das Augenblicke in der Geschichte, bei denen man besonders genau hinschauen sollte, denn hinter dem Geschütznebel einer „Bombardierung“ finden meistens geschickt ausgeführte Manöver statt. Und dabei kann den Akteuren nichts Besseres passieren, als dass die Mainstream Medien jede Vermutung pauschal als „Verschwörungstheorie“ diffamieren.
Was also steckt hinter den chaotischen Äußerungen Trumps, die in der Idee gipfeln, man könne in Zukunft gemeinsam mit dem Iran die Tanker in der Straße von Hormus abkassieren, nach dem Muster mittelalterlicher Raubritter? Die Berater, die ihm das in den Mund gelegt haben, haben sich mit Sicherheit bereits im Voraus köstlich über die zu erwartenden Reaktionen amüsiert.
In Wirklichkeit geht es den USA darum, in Zukunft die Ölreserven des Iran zu kontrollieren – in Venezuela ist dieses Ziel bereits erreicht – um ein Gegengewicht zu der Tatsache zu schaffen, dass China einen Großteil der seltenen Erden kontrolliert. Man darf auf die Ergebnisse der Verhandlungen in Pakistan gespannt sein. Dass sie auf amerikanischer Seite von J.D. Vance geführt werden, zeigt, dass sie für die USA eindeutig wichtiger sind als die Verhandlungen in Sachen Ukraine. Möglicherweise wird man sich darauf einigen, dass der Iran sein Urananreicherungsprogramm fortsetzen darf, wenn er in Zukunft sein Öl in Absprache mit den USA verkauft. Das könnte tatsächlich den aberwitzig erscheinenden Vorschlag zu einem gemeinsamen Abkassieren der Tanker Realität werden lassen. Die großen Verlierer werden wieder einmal die Europäer sein. Es ist erschreckend, wie lange Europa, insbesondere Deutschland, zu der Erkenntnis benötigt, dass die USA kein „Freund“, sondern ein Wirtschaftskonkurrent sind. Und dass ein rohstoffarmer Kontinent sich in erster Linie darum bemühen muss, kostengünstige Energieversorgung sicherzustellen. Da die USA an einer Beendigung des Ukrainekriegs offensichtlich kein Interesse haben, wäre es dringend nötig, dass Europa die Ukraine und Russland an den Verhandlungstisch bringt. Die Ukraine hat immerhin gemeinsam mit den USA Nordstream 2 zerstört. Dass Europa ihnen trotzdem weitere 90 Milliarden in Aussicht stellt, ist nur dadurch zu rechtfertigen, dass sich die Ukraine in Friedensverhandlungen konstruktiv verhält. Man sollte sich dort auch langsam ernsthaft fragen, was ist mehr wert: Land oder Menschen?
Die Sanktionen gegenüber Russland haben bisher sehr wenig gebracht. Allerdings müsste auch Russland daran interessiert sein, diesen Menschen und Material verschlingenden Abnutzungskrieg zu beenden. Möglicherweise könnten neue Wirtschaftsdeals für beide Seiten von Nutzen sein. Die USA sind diesen Weg längst gegangen. Und man sieht im Iran, sie werden weiter radikal pragmatisch und rücksichtslos gegenüber allen anderen handeln. Das ist übrigens nicht neu, es hat nur früher etwas verdeckter stattgefunden.
Mehr Pragmatismus und weniger Ideologie könnten auch Europa nicht schaden.
Wenn allerdings Bundeswehrgeneräle, wie kürzlich geschehen, die Bevölkerung dazu auffordern, Wasser und Lebensmittelvorräte anzulegen „weil man sich spätestens in drei Jahren im Krieg mit Russland befinden würde“, so sind das erschreckende Botschaften, denen man nicht scharf und entschlossen genug entgegentreten kann. Denn das wäre mit Sicherheit der Untergang Europas.




Kommentare