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Kein Ende in Sicht


Ich bin kein Pazifist, denn ich halte das Selbstverteidigungsrecht für notwendig. Aber ich habe den Aufruf von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer unterschrieben.


Warum?


Weil ich in der Fortführung dieses Krieges angesichts der Pattsituation keinerlei Sinn mehr sehe und das tägliche Verheizen von hunderten von Soldaten auf beiden Seiten endlich gestoppt werden muss.


Das Argument der Gegenseite, Putin wolle gar nicht verhandeln, wird erst dann wahr, wenn man Putin eine vernünftige Verhandlungsoption angeboten und er abgelehnt hat. Anrufe, in denen Putin aufgefordert wird, seine Truppen aus dem Donbass und der Krim abzuziehen, sind das nicht.


Und dem „Plan“, den Donbass und die Krim militärisch zu erobern, weil Putin dann zu Verhandlungen bereit sei, fehlt jede Logik. Auf der einen Seite wird Putin mittlerweile von den Bellizisten als Monster dargestellt und teilweise mit Hitler verglichen - was völliger Blödsinn ist, da es sich um zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere mit vollkommen verschiedenen Zielen handelt - auf der anderen Seite traut man ihm aber nicht zu, beim Verlust der Krim zu Atomwaffen zu greifen. Wenn Putin die Krim verliert, ist er im eigenen Land erledigt und wird höchstwahrscheinlich liquidiert. Dass ein Mann seines Charakters dann nach dem Motto, „nach mir die Sintflut“, agiert, ist leider höchstwahrscheinlich. Und auch wenn Putin, bevor er den Knopf drücken kann, erschossen wird, ist kein Jubel angebracht. Es könnten Typen wie Prigoschin oder Kadyrov nachrücken, und mit denen kann man wahrscheinlich wirklich nicht mehr verhandeln.


Man muss die Frage stellen: Wollen wir wegen der Krim einen Atomkrieg riskieren? Sind wir von allen guten Geistern verlassen?


Nein, die Waffen müssten auf beiden Seiten so schnell wie möglich schweigen. Die Ukraine hält im Augenblick noch Teile der vier Oblaste, jede Seite besitzt also Verhandlungsmasse. Und das Argument, Putin würde einen Waffenstillstand nur nutzen um weiter aufzurüsten und wieder anzugreifen ist ebenfalls nicht stichhaltig. Je mehr Gebiete Putin jetzt noch verliert, umso größer die Gefahr, dass er erneut angreift. Die Idee, Russland so sehr zu schwächen, dass es seine Nachbarn nie mehr angreifen kann, wird genauso fehlschlagen wie der Plan nach dem Ersten Weltkrieg, Deutschland so sehr zu schwächen, dass es nie mehr gefährlich werden kann. Wir wissen, was dabei herauskam.


Deswegen wäre ein ausgewogener Verhandlungsfriede so wichtig, ein Frieden, wie er den Bellizisten vorschwebt, mit dem Russland a la Versailles zu gigantischen Reparationszahlungen verpflichtet wird, wäre absolut kontraproduktiv und würde den nächsten Krieg garantieren. Nein, es muss eine intelligente Lösung gefunden werden, so wie nach dem Zweiten Weltkrieg, wo die Alliierten klug genug waren, Deutschland nicht erneut zu demütigen, obwohl sie allen Grund dazu gehabt hätten.


Erst nach einem Waffenstillstand kann man übrigens auch die schrecklichen Kriegsverbrechen, die in erster Linie von der russischen Armee, aber laut UN auch von der ukrainischen Gegenseite begangen werden, wirkungsvoll verfolgen.


Wenn die Kämpfe weitergehen, werden auch weiterhin Frauen vergewaltigt, Kinder gefoltert und verschleppt.

Die Verhandlungen werden äußerst schwierig und komplex verlaufen und man täte gut daran, China miteinzubeziehen, anstatt das chinesische Papier jetzt gleich wieder als reine Finte abzutun.


Selbst wenn China hier ein doppeltes Spiel spielt, was man den Chinesen durchaus zutrauen kann, ist es wichtig, alle an einen Tisch zu bringen und dort über die eigentlichen, die großen wirtschaftlichen und geostrategischen Probleme zwischen den USA und China zu sprechen, die sich hinter dem Ukrainekonflikt verbergen. Wenn wir so weitermachen, droht nicht nur der Krieg in der Ukraine zu eskalieren, wir werden zusätzlich in eine militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und China hineinlaufen - dann steht die Welt wirklich am Abgrund.

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