Regimechange in Russland - und die Folgen?



Man muss General Hodges für seine Offenherzigkeit bei Illner (ZDF) letzte Woche dankbar sein. Nun müsste es wirklich jeder begriffen haben: Kriegsziel der USA, und damit auch der Ukraine, ist die Rückeroberung aller Gebiete - nicht nur bis zur Demarkationslinie vom 24.2., sondern der gesamten Oblaste, und natürlich auch der Krim. Aber das ist noch nicht alles: Außerdem wird von Hodges ganz offen ein Regimechange gefordert, die Absetzung von Putin. Damit wird bestätigt, was Verteidigungsminister Austin vor Monaten bereits angedeutet und Präsident Biden mit den Worten zusammengefasst hatte: „This man cannot remain in power“.


Aus moralischen Gründen ist das durchaus nachvollziehbar, strategisch und geopolitisch würde das für Europa - insbesondere für Deutschland - eine Katastrophe bedeuten. Wer ernsthaft glaubt, eine Absetzung Putins würde in ein friedliches, demokratisches Russland münden, ist genauso naiv wie derjenige, der Bush jr. Glauben schenkte, als der von einer demokratischen Neuordnung des Iraks faselte.


Falls sich diese Politik durchsetzt und wir sie ohne Atomschlag überstehen, was keinesfalls gewiss ist, auch wenn einige sogenannten Sicherheitsexpertinnen diese Möglichkeit leichtfertig als „one trick pony“ abtun, wird Russland, ebenso wie der Irak und Libyen, ins Chaos fallen, und skrupellose Warlords wie Kadyrow werden das Land unter sich aufteilen. Jeder von ihnen wird nicht nur über für Europa lebenswichtige Rohstoffe, (außer Öl und Gas gibt es noch jede Menge wichtiger Metalle, die wir aus Russland benötigen), sondern auch über Atomwaffen verfügen. Verglichen mit diesem Szenario ist die Schreckensherrschaft von Putin für Europa die eindeutig kalkulierbarere Variante.


Der Krieg hat im Augenblick einen sehr gefährlichen Punkt erreicht, und es ist absolut nachvollziehbar, dass die vernünftigeren Akteure jetzt keine Panzer in die Ukraine schicken wollen. So schwer es auch fällt, wir dürfen Russland nicht weiter destabilisieren und es sei noch einmal an den Satz von NATO Generalsekretär Stoltenberg erinnert: „Es wäre schlimm, wenn Putin den Krieg gewinnt – noch schlimmer wäre es, wenn er ihn verliert“.

Es ist höchste Zeit für Verhandlungen, und es ist allerhöchste Zeit, dass ein selbstbewusstes Europa die USA von der Notwendigkeit dieser Verhandlungen überzeugt, unter Einbeziehung von Indien und China.


Wenn jetzt weiter blind eskaliert wird, wie es die Bellizisten in diesem Land in jeder Talkshow fordern, laufen wir auch ohne Atomschlag Gefahr, in ein für Europa lebensbedrohliches Chaos zu stürzen. Und wenn General Hodges bei Illner den Ukrainekrieg bereits als so gut wie gewonnen abhakt und die Europäer unverblümt auffordert, die USA beim anschließend anstehenden Konflikt um Taiwan zu unterstützen, sollte uns das nicht nur aufhorchen lassen. Völlig unverständlicherweise gab es dazu innerhalb der Talkshow keinerlei Widerspruch, nicht einmal von Herrn Gysi.


Die USA versuchen im Augenblick, mit militärischen Mitteln ihre wirtschaftliche Vormachstellung wiederzugewinnen. Das muss offen angesprochen werden und dieser Weg darf nicht weiter verfolgt werden, nicht mit der Unterstützung von Europa. Dem Teil der deutschen Medien, der im Ausland bereits als „Stechschrittjournalismus“ bezeichnet wird, sollten sich die Vernunftbegabteren vehement in den Weg stellen!

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