#MeFree

Erstmal vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Zuschriften, die ich aus der Branche, natürlich vor allem von Drehbuchautorinnen und -autoren, erhalten habe. Ich werde sie auf unserer Homepage/auf meinem Blog im Wochentakt innerhalb der nächsten Monate veröffentlichen.

Eine Sache finde ich besonders empörend: die leider völlig begründete Angst, im Falle eines Outings mit Beschäftigungslosigkeit abgestraft zu werden. Das spielt in meiner Satire natürlich auch eine große Rolle, ich bin allerdings der Meinung, darauf muss man näher eingehen: Es kann nicht sein, dass in der Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen Sendern derart undemokratische Spielregeln herrschen. Aber es ist so: Ich werde nie den Satz eines Fernsehspielchefs vergessen, der zu einem Kollegen von mir gesagt hat: Es gibt Autoren, die gerne mit uns zusammenarbeiten, und welche, die uns kritisieren. Was glauben Sie, mit wem wir lieber arbeiten?

Das klingt im ersten Augenblick logisch, offenbart bei genauerem Hinsehen aber exakt den Kern des Problems: Es herrscht offensichtlich in den Chefetagen überhaupt kein Bewusstsein mehr dafür, dass kritische Mitarbeiter, gerade auf kreativen Feldern, eine Bereicherung sind.

Und wir als freie Mitarbeiter sind hier natürlich jeglicher Willkür schutzlos ausgeliefert. Man muss uns noch nicht einmal kündigen, man kann uns ohne jede Begründung nicht mehr beschäftigen. Es geht eben nicht um Qualität, es geht um Angst und um Macht.

Was tun? Eine weitere Diskussion mit den Sendern, wo „Verständnis“ gezeigt wird, sich in der Praxis aber rein gar nichts ändert, außer dass die, die Kritik äußern, nichts mehr zu tun haben, erscheint mir sinnlos.

Deswegen rufe ich hiermit #MeFree ins Leben. Dort kann jeder über seine Erfahrungen berichten, selbstverständlich weiterhin anonym. Ihr schickt mir wie gehabt eure Erlebnisse per E-Mail an fromm@primeroverlag.de und ich veröffentliche das mit der Berufsbezeichnung (z.B. Drehbuchautor*in) auf Facebook und in gekürzter Form auf Twitter.

Ich bin sicher, dass sich die Öffentlichkeit sehr für dieses grundsätzliche Problem interessiert. Immerhin geht es hier um gebührenfinanzierte Sender. Und ohne das jetzt gleichsetzen zu wollen, aber im Kern geht es wie bei #Metoo um Machtmissbrauch.

Und vielleicht winkt dann am Horizont endlich eine schlagkräftige Gewerkschaft nach amerikanischem Vorbild. Die uns im Augenblick zur Verfügung stehenden Institutionen sind den Problemen nicht mal im Ansatz gewachsen. Wir brauchen die Möglichkeit und das Recht auf Streik!

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