#MeFree: Der Krimi des Krimischreibens



Auf dem Flur waren mittlerwiele servile Stimmen zu hören, durch die ehrerbietig aufgerissene Tür wurde die Ankunft ihrer Majestät, Anette Selmau, Tatorthauptkomissarin, Millionärsgattin, Feministin, Schauspielerin aus Berufung, Leidenschaft und Geltungsdrang, angekündigt. In sportliche Weißtöne gekleidet eilte sie in den Raum, begrüßte Rusch und Risotto mit Küsschen, für Grohl tat es ein vom Personal Trainer optimierter Händedruck. Leider hatte sie nur zehn Minuten Zeit, ehe ein wichtiger Pressetermin ihre ungeteilte Aufmerksamkeit erforderte, und leider hatte sie auch keine Zeit gefunden, Grohls Buch zu lesen, aber Grohl könne ja pitchen. Risotto sah ihn an wie den Weihnahctsmann, der die Geschenke verteilen soll. Grohl setzte an und wurde nach exakt sieben Wörtern unterbrochen: Boring! Very much boring!


-Auszug aus "Das Albtraumschiff - Odysee eines Drehbuchautors", einer Satire von Christoph Fromm.


Solche und ähnliche Situationen existieren leider nicht nur in der überspitzten Welt der Satire. Es folgen einige wahre Erlebnisse zum Drehbuchschreiben für den deutschen Krimi.


Ich arbeite seit fünfzehn Jahren als Drehbuchautorin, und ich lebe davon. In dieser Zeit habe ich zwei verfilmte Stoffe gehabt, den Rest der Projekte habe ich für den Papierkorb geschrieben. Klar, ich wurde bezahlt, aber trotzdem ist das frustrierend. Zum Beispiel habe ich über zwei Jahre lang an einer Folge für eine renommierte deutsche Krimireihe geschrieben. Mir wurde von der zuständigen Redaktion immer wieder versichert, das Buch befinde sich auf einem guten Weg, man wolle es realisieren. Dann kam ein Regisseur dazu, hat alles über den Haufen geworfen, selber dran rumgeschrieben. Letztendlich wurde das Buch dann nicht gemacht. Ich habe viel Zeit und Geld verloren!


-Erfahrung einer Drehbuchautorin


Ich habe mit einem namhaften Kollegen über einen Zeitraum von vier Jahren – glücklicherweise mit Unterbrechungen – an einer einzigen Folge für eine Krimireihe geschrieben. Der Produzent hat uns immer wieder versichert, wie gut er das alles findet, was wir schreiben, aber in den Besprechungen mit den Redakteuren hat er sofort die Seite gewechselt. Wir haben glaube ich über zwanzig Umschriebe gemacht, irgendwann habe ich nicht mehr gezählt. Mein Kollege ist dann ausgestiegen, ich habe durchgehalten, wurde bezahlt. Die Folge ist dann so schlecht geworden, dass ich meinen Namen rausgezogen habe. Seitdem arbeite ich für diesen Sender nicht mehr.


-Erfahrung eines Drehbuchautors

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