Millane – religiöser Fanatismus und Autokratie
- Christoph Fromm

- 13. März
- 2 Min. Lesezeit

Sie kommt wahnsinnig nett und harmlos daher. Millane, einer der neuen, tiefgläubigen Stars des Internet. Sie liebt Jesus und ihren Mann und ordnet sich gerne bereitwillig beiden unter. Jesus ist alles für sie – er ordnet ihr Leben und sorgt im Zweifelsfall sogar dafür, dass sie immer einen Parkplatz findet. Gespickt werden solche Botschaften, ganz im Stil der Zeit mit Anglizismen – schließlich will man ja möglichst viele junge Leute ansprechen. Wenn man dieses Geplapper etwas genauer unter die Lupe nimmt, wird es weitaus weniger harmlos. Die bedingungslose Hingabe an Jesus, der ihr immer sagt, was sie zu tun und zu lassen hat, könnte sich im Zweifelsfall ganz leicht auf die ebenso bedingungslose Hingabe an einen anderen Führer verschieben einen neuen „deutschen Messias“, das haben unsere Großeltern schon einmal ganz prima hinbekommen.
Endgültig vorbei ist es mit der Harmlosigkeit, wenn man verfolgt, wie fundamentalistische Christen, Freikirchen und Evangelikaner nach amerikanischem Vorbild auch in Deutschland ganz gezielt Gesellschaft und Politik unterwandern. Es gibt bereits jetzt massive Verbindungen zwischen diesen Kreisen und der AFD. Und wenn man wissen will, wo das alles hinführen kann, muss man nur einen Blick in die USA werfen. Dort gab es gerade das gespenstische Bild, auf dem evangelikanische Pfarrer gemeinsam mit Trump im Weißen Haus für den Sieg im Iran beten. Dazu passt ein Kriegsminister Hegseth, der ungeniert „Deus vult“, einen Slogan der Kreuzritter proklamiert und auf seiner Brust das Abzeichen dieses Ordens eintätowiert trägt.
Hegseth setzt sich ganz offen für einen möglichst brutalen Krieg ein, frei von irgendwelchen humanitären Erwägungen. Das ist nicht mehr so weit weg von Goebbels „totalem Krieg“.
Man muss befürchten, dass im Zweifelsfall auf Floskeln wie „I love you“ gegenüber Andersdenkenden nicht viel Verlass ist. Hegseth hat ja in einer Rede vor der amerikanischen Generalität deutlich gemacht, dass für Schwule und Queere, psychisch Labile und auch Übergewichtige im US-Militär in Zukunft kein Platz mehr ist. Man darf sich vielleicht in Kürze auf morgendliche Körperertüchtigung der US-Generalität mit ihrem Oberbefehlshaber freuen. Vielleicht darf Trump als Vorturner da auch mitmachen.
In Kriegen Machtambitionen und die Gier nach Rohstoffen hinter einer religiösen Maske zu verbergen, das hat alte schlechte Tradition und reicht tatsächlich bis ins Mittelalter und die Kreuzzüge zurück. Dass sich heute aber wieder viele Menschen auf diese Art und Weise täuschen lassen, das hat viel mit der Umerziehung vom Denken zum Glauben zu tun, die in letzten dreißig Jahren auch in der deutschen Kulturszene massiv stattgefunden hat und an der auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht unschuldig ist. In zahllosen schlechten Serien und Reihen wurde und wird da ein Gut/Böse Schema zelebriert, werden die immer gleichen Schablonen wiederholt, so dass jetzt viele Bürger offensichtlich dazu bereit sind, schablonenartiges Nichtnachdenken auch auf die politischen Ereignisse zu übertragen.
Es ist allergrößte Wachsamkeit geboten, wenn sich fanatischer Glaube mit autokratischen Machtambitionen verbündet. Wer dazu einige interessante Details benötigt, kann sie gerne in meinem neuen Roman „Hitler – Prophet der Finsternis“ nachlesen. Es ist erschreckend, wie brandaktuell das alles wieder ist!




Kommentare