Weit vom Boden entfernt: Lyrik von Alina Smith

Auf den ersten Blick scheint es ein weiter Weg zu sein, von meinen historischen Romanen und der Thor-Reihe im Primero Verlag hin zum Gedichtband einer jungen Autorin, die damit ihr Debüt gibt. Doch damit folge ich nur dem ästhetischen Maßstab, den ich bei all meinen Veröffentlichungen anlege: Dem der Qualität, wie ich sie verstehe.
Romane müssen spannend geschrieben sein, sprachlich geschliffen, mit komplexen, vielschichtigen Charakteren ausgestattet, die anspruchsvolle Dialoge sprechen. Letzteres ist für mich als ehemaligen Drehbuchautor besonders wichtig.
Alina Smiths Lyrik ist für mich ein langer, indirekter Dialog voll glaubhaftem Gefühl. Etwas, das in diesen Zeiten äußerst selten geworden ist, speziell in der deutschsprachigen Literatur.
Es sind Zeilen wie Lichtstrahlen, kühne Gedankensprünge, Impressionen aus dem Unterbewusstsein. Bilder, die aufsteigen, verblassen, in Variation wiederkehren. Alinas Gedichte sind geprägt von Schmerz, Melancholie, aber auch Sehnsucht und Hoffnung. Das Idyll der Kindheit wird gebrochen von den schmerzhaften Erfahrungen des Erwachsenwerdens. Immer wieder schimmert das skandinavische Gefühl für Einsamkeit, aber auch für Naturverbundenheit in den Zeilen. Und eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse ist: Häufig ist der größte Schmerz nicht der, den andere uns zufügen, sondern der, zu dem wir uns selbst verurteilen.
Lest ihr Debüt und ihr werdet verstehen: Schönheit gibt es nicht ohne Tiefe!





Kommentare